Die Mitarbeiter nehmen sich noch Zeit |
| Evangelische Sozialstation: Einrichtung versorgt seit drei Jahrzehnten Hilfsbedürftige in Hemsbach, Laudenbach, Sulzbach und Ober-Laudenbach |
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| Hilfe in der Not: Die Mitarbeiter der Evangelischen Sozialstation betreuen Bedürftige in Hemsbach, Laudenbach, Sulzbach und Ober-Laudenbach - und das bereits seit 30 Jahren. Unsere Aufnahme zeigt Markus Fath vom Pflegedienst. Bild: Kopetzky |
| Hemsbach. Die Evangelische Sozialstation Nördliche Bergstraße besteht seit 30 Jahren. Die schon lange ökumenisch arbeitende Einrichtung versorgt Hilfsbedürftige in Hemsbach, Laudenbach, Sulzbach und Ober-Laudenbach. Die Weinheimer Nachrichten werfen einen Blick zurück auf die Geschichte der Sozialstation, die ihren Sitz in Hemsbach hat.
Im Jahr 1978 hatte Hemsbach fast sein heutiges Wachstum erreicht. Der Westen jenseits der Bahnlinie hatte den Ort verändert, aus dem Dorf, mit etwa 4000 Einwohnern nach dem Krieg, war eine Stadt mit 12000 Einwohnern geworden. Die häusliche Krankenpflege durch Schwestern der Diakonie konnte nicht mehr aufrechterhalten werden. Hemsbach war zu groß geworden, die Schwestern gingen aus Altersgründen in ihr Mutterhaus zurück und Nachwuchs gab es nicht mehr. Deshalb sind die beiden letzten Schwestern unvergessen, Schwester Elise und Schwester Ruth. Der damalige Pfarrer Barall und sein Kirchen-Gemeinderat suchten nach einer Lösung. Die Sozialstation wurde als eingetragener Verein in der Trägerschaft eines Kirchengemeindeve rbandes gegründet, und zwar im Zusammenschluss Hemsbach, Laudenbach, Ober-Laudenbach, Sulzbach und zunächst noch Hüttenfeld. Der Verein besteht aus einer gewählten Mitgliederversammlung und dem Vorstand. Dem Vorstand soll nach der Satzung ein evangelischer Pfarrer angehören, derzeit ist das Pfarrer Fritz-Norbert Wenzler aus Laudenbach; zuvor war es bis zu seiner Pensionierung Pfarrer Dr. Holger Kaiser. Der Vorstand ist für alle Angelegenheiten der Station zuständig. Dieses Gremium arbeitet ehrenamtlich. Kommune springt ein Weil die finanzielle Seite der pflegerischen Aufgaben sehr unsicher war - es gab noch keine Abrechnungen über die Pflegekassen -, wurde in Gesprächen mit dem damaligen Bürgermeister Hans Michel das Kuratorium Sozialstation eingerichtet, die Kommunen deckten das finanzielle Defizit ab. Die ersten Krankenschwestern wurden eingestellt und die Arbeit begann in einem Raum des Schwesternhauses der katholischen Kirche. Bald war diese Unterkunf t zu klein und die Sozialstation zog um in das Untergeschoss des Seniorenwohnhauses in der Hildastraße. Neben den Schwestern für die häusliche Krankenpflege war die Nachbarschaftshilfe tätig, die ersten Zivildienstleistenden nahmen die Arbeit auf. Die Autos der Sozialstation fuhren durch die Gemeinden. Die Entwicklung der Arbeit war rasant, durch die Einführung der Pflegeversicherung und die Abrechungsmöglichkeiten über die Kranken- und Pflegekassen wurde die finanzielle Grundlage verbessert. 1996 konnte sich die Stadt aus ihrer Verpflichtung entbinden, das Kuratorium wurde aufgelöst. Umzug in die Ahornstraße Die zunehmende Arbeit, verbunden mit mehr Personal, machte wieder einen Umzug nötig. Nachdem das neue Bonhoeffer-Gemeindezentrum gebaut war, konnten die ehemaligen Kirchenräume in der Ahornstraße genutzt werden. Sie wurden umgebaut und dienen bis heute den Mitarbeitern der Sozialstation. Wie sieht die derzeitige Arbeit aus? Sie besteht aus zwei Säule n, der pflegerisch-medizinischen Versorgung kranker Menschen und der Nachbarschaftshilfe. Betreut werden rund 150 Patienten. Die Leitung der Station liegt in den Händen von Gisela Gefäller, die Einsatzleitung der Nachbarschaftshilfe koordiniert Rita Bleß. Zurzeit arbeiten 16 ausgebildete Krankenschwestern und -pfleger oder ausgebildete Altenpflegerinnen bei der Sozialstation. Die Arbeit orientiert sich an den aktuellen pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen und wird gewährleistet durch regelmäßige Fort- und Weiterbildung und der Zusammenarbeit mit den Hausärzten. Die Begleitung von Menschen in ihrer letzten Lebensphase ist ein wichtiger Pfeiler der Pflege. Diese Lebensphase ist oft besetzt von Ängsten, Schmerzen und Verzweiflung; hier braucht nicht nur der Körper, sondern auch die Seele Hilfe. Und in dieser Zeit wird ebenfalls Zuspruch und Unterstützung für die Angehörigen nötig. Dies alles setzt nicht nur Fachwissen, sondern auch Idealismus aller Pflegekräfte voraus.< /p> Ausbildung in Palliativmedizin Die medizinische Pflege kranker Menschen macht spezielle Qualifizierung nötig. So ist eine Krankenschwester für die Palliativmedizin (schmerzlindern) ausgebildet. Eine andere Kollegin ist für die Versorgung chronischer Wunden (Wundmanagerin) zuständig. Die Gesundheitsreform hat die Betreuung Demenzkranker verbessert. Unsere Sozialstation ist auch auf diesem Gebiet tätig. Zurzeit sind Info-Veranstaltungen für Laienhelfer, Angehörige und Interessierte im Angebot. Die Nachbarschaftshilfe unterstützt hilfsbedürftige Menschen im Bereich des Haushalts, beim Einkaufen oder bietet Begleitung zum Arzt. Zudem wird Essen auf Rädern angeboten. Ist die "Mama" erkrankt und Kinder müssen betreut werden, ist die Nachbarschaftshilfe deren Partner und gewährleistet die Aufrechterhaltung des Alltagst. Neben 20 Helferinnen arbeiten zwei Zivildienstleistende mit viel Engagement. Auf Spenden angewiesen Viele dieser Leistun gen werden von den Ärzten verschrieben und mit den gesetzlichen oder privaten Kostenträgern abgerechnet, sofern sie erstattungsfähig sind. Die Zeit, die die Mitarbeiter, Hilfsbedüftigen an Zuwendung zukommen lassen, ersetzt hingegen niemand. Weil die Arbeit aller Mitarbeiter weit über das hinausgeht, was von den Kassen bezahlt wird, ist die Sozialstation auf Spenden angewiesen. In unserer modernen Zeit in der viele Menschen allein leben ist ein Haus-Notruf nötig, auch der ist in der Sozialstation integriert und bringt schnelle Hilfe in Notlagen. Seit 15 Jahren werden Kurse für pflegende Angehörige und Interessierte angeboten. Eine Pflegesituation kommt oft unerwartet und stellt die Familie vor überwältigende Probleme. Für Fragen und Anliegen in all diesen Bereichen ist die Sozialstation immer ein vertrauensvoller Ansprechpartner. Da all die Arbeit auch verwaltungstechnische Aspekte hat, beispielsweise die Aufstellung des Wirtschaftsplan, Abrechnung mit den Kassen und f ür die Patienten, ist die Verwaltungsleitung Florence Hechler zuständig. Die Station ist heute ein qualifizierter, moderner Dienstleistungsbetrieb. Die Rahmenbedingungen werden vom Gesetzgeber vorgegeben und durch den medizinischen Dienst kontrolliert. Die diesjährige Prüfung hat wieder eine hervorragende Qualität bescheinigt. In den Bergstraßengemeinden ist die Sozialstation nicht mehr weg zu denken, sie heißt "evangelisch", doch sie arbeitet ökumenisch, sie fragt nicht nach der Konfession, sie kümmert sich um die Menschen mit fachlichem Können, mit Herz und Verstand im Sinne der Diakonie "Dienst am Nächsten". Hiho Aus Weinheimer NAchrichten vom 6.11.2008 |